Die Weihnachtsbaumleiche

Weihnachten ist nun schon über einen Monat her und unser Weihnachtsbaum hat es bisher immer noch nicht wieder aus unserem Haus geschafft – das musste ich heute Morgen mit Erschrecken feststellen. Er ist zwar mittlerweile abgeschmückt und sieht bei weitem nicht mehr so schön aus, wie zu seiner „Saisonzeit“, aber immerhin ist er noch grün.

Eigentlich ist es nicht so schwer diesen Baum, den sich viele für Weihnachten ins Haus holen, wieder hinauszubefördern, aber manchmal liegen die Prioritäten dann doch so, dass man nicht dazu kommt, es Wichtigeres zu tun gibt oder man sich denkt, dass man es schon noch irgendwann machen wird.

Als ich heute Nacht versucht habe unseren Sohn wieder zum Schlafen zu bringen und ihn im Wintergarten hin- und hergetragen habe, hatte ich genügend Zeit unseren Baum, der dort steht, zu begutachten. Etwas traurig sieht er schon aus, einige Nadeln, die beim Abschmücken heruntergefallen waren, lagen noch auf dem Boden und man sollte besser auch nicht an ihn herankommen, sonst vermehrten sich die Nadeln schlagartig – er ist eben ein Rest oder die „Leiche“ von Weihnachten. Ich habe mich gefragt, ob das alles ist, was mir von Weihnachten geblieben ist – es gab doch so viel mehr als diesen Baum!
Was ist von der „besinnlichen“ Zeit, der Freude über Geschenke, über Gemeinschaft und vor allem von der Freude über das Weihnachtswunder übrig geblieben? Was ist bei dir „übrig“ geblieben?

Wenn ich auf meine letzten Woche zurückschaue, dann muss ich sagen:
Der Alltag hat mich zurück, die Zeit für Gemeinschaft wird wieder weniger, die Weihnachtsfreude wurde mit dem Weihnachtsbaumschmuck wohl in der Kiste im Schrank verstaut und die Erwartungen an Gottes Wirken, seine Wunder, sein mächtiges und übernatürliches Eingreifen, sind auch langsam am Verblassen. Übrig geblieben ist die „Weihnachtsbaumleiche“ und die Erinnerung an die Festtage.

Wie gut, dass unser Weihnachtsbaum noch steht und mich erinnert (und dich jetzt vielleicht auch), dass diese Freude, diese Gewissheit und diese Erwartungen keine Weihnachtsleichen sind, sondern meinen Alltag prägen sollten. Aber wie bekommt man das wieder hin?

Mir kam eine meiner Lieblingsstellen in den Sinn, die mich immer wieder staunen lässt über Gottes Möglichkeiten.

In Hesekiel 37 führt Gott Hesekiel in ein Tal voller „toter vertrockneter Knochen (Gebeine)“ und fragt ihn:

»Du Mensch, können diese Gebeine je wieder lebendig werden?« Ich antwortete: »HERR, mein Gott, das weißt du allein!«
Da sagte er zu mir: »Sprich zu diesen dürren Knochen und fordere sie auf: Hört, was der HERR euch sagt:
Ich bringe Geist in euch zurück und mache euch wieder lebendig! Ja, das verspreche ich, Gott, der HERR. Ich lasse Sehnen und Fleisch um euch wachsen und überziehe euch mit Haut. Meinen Atem hauche ich euch ein, damit ihr wieder lebendig werdet. Daran sollt ihr erkennen, dass ich der HERR bin.«
Ich tat, was Gott mir befohlen hatte. Noch während ich seine Botschaft verkündete, hörte ich ein lautes Geräusch und sah, wie die Knochen zusammenrückten, jeder an seine Stelle. Vor meinen Augen wuchsen Sehnen und Fleisch um sie herum, und darüber bildete sich Haut. Aber noch war kein Leben in den Körpern.
Da sprach Gott zu mir: »Du Mensch, ruf den Lebensgeist und befiehl ihm in meinem Namen: Komm, Lebensgeist, aus den vier Himmelsrichtungen und hauche diese toten Menschen an, damit sie wieder zum Leben erwachen!«
Ich tat, was Gott mir befohlen hatte. Da erfüllte der Lebensgeist die toten Körper, sie wurden lebendig und standen auf. Sie waren so zahlreich wie ein unüberschaubares Heer.

Hesekiel 37

Es erinnert mich, dass nichts in mir, was Gott in mich hineingelegt hat, so verstaubt, vertrocknet und gestorben sein kann, dass es ihm unmöglich ist, es wieder zum Leben zu erwecken. Also ist mein Anlaufpunkt zum einen Zeit mit Gott und Schauen, was in mir wiederbelebt werden muss, und zum anderen das Aussprechen von Gottes Wahrheiten über ihn und über meine Identität in ihm. Letzteres klingt vielleicht etwas schräg, aber durch das Aussprechen festigt sich das Gesagte besser in uns und es ist auch ein klares Zeichen an den Feind, dass er hier nichts zu melden oder zu rauben hat – weil wir Gottes Kinder sind, unter seinem Schutz stehen und seine Wahrheiten im Kopf und Herz tragen.

Was muss bei dir neu belebt werden?
Welche Wahrheiten Gottes müssen ganz neu wieder in dein Leben einziehen?
Welche vertrocknete Gaben und Talente müssen wieder neu hervorgerufen werden?
Welche „Leichen“ müssen entsorgt werden und welche brauchen neues göttliches Leben?

Ich wünsche dir ….
gutes und göttliches Wiederbeleben,
dass dir vor Staunen über Gottes Möglichkeiten der Mund offen stehen bleibt,
dass du mit Gottes Wunder in deinem Leben planst
und du es mit ihm gemeinsam auch schaffst, „Leichen“ zu entsorgen, die entsorgt werden müssen.