Hirte war damals nicht wirklich ein beliebter Beruf, es war eher ein Job für Leute am Rande der Gesellschaft, die ihr Brot hart verdienen mussten. Wenn der Herde Schaden zugefügt wurde oder ein Tier verletzt wurde, dann wurde es dem Hirten vom Lohn abgezogen und das hieß mitunter es gab keinen Lohn. Und dennoch wird ihnen die Botschaft als erste verkündet.
Wie gerne wäre ich dabei gewesen, als der Himmel auf einmal voller Engel gewesen ist. Was muss das für ein Anblick gewesen sein. Im ersten Moment zwar sicherlich ein Schock oder die Frage, ob sie „zu tief ins Glas geschaut“ hatten an dem Abend, als erst ein Engel und dann die ganze Engelschar aus dem Nichts auftauchte.
»Habt keine Angst!«, sagte er. »Ich bringe eine gute Botschaft für alle Menschen! Der Retter – ja, Christus, der Herr – ist heute Nacht in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren worden! Und daran könnt ihr ihn erkennen: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe liegt!«
Auf einmal war der Engel von den himmlischen Heerscharen umgeben, und sie alle priesen Gott mit den Worten:
»Ehre sei Gott im höchsten Himmel und Frieden auf Erden für alle Menschen, an denen Gott Gefallen hat.«
Lukas 2, 10-14
Warum werden die Engel genau zu diesen Menschen geschickt? Warum nicht in die großen Paläste zu den Machthabern der damaligen Welt? Eine genaue Antwort darauf finden wir in der Bibel nicht, aber Gott begegnet uns Menschen doch immer wieder auf Augenhöhe und holt uns dort ab, wo wir sind (örtlich, sowie natürlich auch im geistlichen). In diesem Fall kommt er zu ihnen in ihre kleine Welt, zu den Armen und Ausgestoßenen, zu denen, die von der Gesellschaft nicht sonderlich beachtet oder gut behandelt werden. Vielleicht auch, weil Jesus später als der große Hirte bezeichnet wird – Gott weiß es. Und was machen die Hirten?
Als die Engel in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander:
»Kommt, gehen wir nach Bethlehem! Wir wollen das Wunder, von dem der Herr uns erzählen ließ, mit eigenen Augen sehen.«
Sie liefen, so schnell sie konnten, ins Dorf und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Futterkrippe lag.
Da erzählten die Hirten allen, was geschehen war und was der Engel ihnen über dieses Kind gesagt hatte.
Alle Leute, die den Bericht der Hirten hörten, waren voller Staunen.
Lukas 2, 15-18
Mich faszinieren diese Hirten. Sie hätten ja auch sagen können: „Ist ja nett, dass Gott uns das wissen lässt, aber so wirklich interessieren tut es uns eigentlich nicht“, oder: „Wir können nicht alle gehen, es müssen welche hier bleiben und auf die Herde achten. Wir gehen in Etappen!“ Sie wollen unbedingt alle das Wunder sehen und die Herde ist ihnen völlig zweitrangig – es hätte auch sein können, dass nachher alle Tiere weg sind, dann hätten sie ein riesiges Problem gehabt. Ich glaube, sie waren so voller Vertrauen und Hoffnung, dass sie die Herde einfach Gott überlassen haben, wenn er ihnen schon so eine Botschaft schickt, müsste er ja auch damit rechnen, dass sie los rannten, um das Wunder im Stall zu sehen.
Was können wir von den Hirten lernen?
- Sich im Alltag von Gott überraschen und unterbrechen zu lassen
- Darauf zu vertrauen, dass es wahr ist, was er uns sagt und sagen lässt
- Sich auf die Suche oder den Weg zu machen, wenn er uns etwas zusagt und Schritte in die Richtung zu gehen, die er uns zeigt
- Die Erwartung zu haben, dass im nächsten „Stall“ deines Lebens auch ein Wunder auf dich warten kann
- Niemand ist zu gering, sondern jeder Mensch ist in Gottes Augen unglaublich wertvoll
Jesus wird übrigens auch als der große Hirte bezeichnet. Ein Hirte, der nach seinen Schafen schaut und sich auf die Suche macht, wenn eines verloren gegangen ist (Vgl. Lukas 15,3-7). Als Schafe werden alle benannt, die zu ihm gehören, die Jesus als ihren Retter angenommen haben.
„Meine Schafe kennen meine Stimme“, heißt es in der Bibel in Johannes 10. Aber dabei bleibt es nicht.
Jesus hat schon zu seiner Zeit Menschen eingesetzt, um nach seinen Schafen zu schauen, um selbst Hirten zu sein für die Menschen, die ihm folgen.
So dürfen auch wir als Hirten hier auf der Erde unterwegs sein für unseren großen Hirten. Menschen, die er uns anvertraut hat, dürfen wir begleiten, dürfen wir schützen, dürfen wir lehren und sie schließlich selbst zu Hirten machen – gemeinsam mit Jesus natürlich.Bist du schon in der Hirtenschule bei Jesus und bildest andere Hirten mit aus?
Oder bist du noch ein verirrtes Schaf und musst dich erst einmal wieder vom großen Hirten finden lassen?
